Friday, October 28, 2005

Pressefreiheit weltweit und der Glaube an Visionen

Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" beklagt die Beschneidung der Pressefreiheit in westlichen Demokratien!
Vor allem sieht die Organisation dabei den Quellenschutz in Gefahr.
Die USA ist bereits aufgrund von Gefährdung des Quellenschutzes um 20 Ränge auf Platz 44 zurück gefallen.
Im Vergleich weltweit liegen laut der Organisation die Länder Nordkorea, Eritrea und Turkmenistan auf den letzten Plätzen. Dort würde die Arbeit von Journalisten am schlimmsten unterdrückt.
Die besten Noten erhielten hingegen nordeuropäische Länder.
Deutschland rangiert derweil auf Platz 18.

Da sehen wir es wieder. Die "Demorkatie" in Amerika ist ein Witz! Platz 44, das ist keine sehr gute Bilanz für das ach so demokratische Amerika!
Freuen können wir uns, dass die besten Noten in Europa vergeben wurden!! Doch Platz 18 für Deutschland ist ganz schön ernüchternd! Da sollte sich Deutschland wohl mal von den Ländern in Nordeuropa eine Scheibe abschneiden!
Die skandinavischen Länder sind ja sowieso in vielem beispielhaft! Dort gibt es weniger Arbeitslosigkeit, die Armut ist allgemein geringer, die Rente viel besser geregelt...
Die Regierung von Deutschland sollte ruhig mal in den Norden gucken und dort auch mal etwas ab-gucken!

Nun ja, man soll ja immer das Positive sehen. Also freuen wir uns darüber, dass es überhaupt so etwas wie Pressefreiheit gibt! Und dann im zweiten Schritt, lasst uns darum kämpfen, dass sie erhalten bleibt! Und im dritten Schritt, lasst uns die bestehende Pressefreiheit weltweit ausweiten und verbessern!

Jetzt kommt sicherlich bei den meisten wieder die Frage auf, "ja wie sollen wir das denn machen?" und der Kommentar "Das bringt doch alles nichts. Wir können es gleich lassen."
Aber hat nicht jede Vision einmal so angefangen, dass jemand eine gute Idee hatte? Und wurden nicht alle Visionen ausschließlich davon getragen, dass man einfach an die Idee glaubte und sich mit der Zeit die Umsetzung automatisch ergab?
Ich denke, die Menschen in der Welt sollten anfangen wieder an Visionen zu glauben.

1 Comments:

At 5:41 AM, Anonymous Mario said...

Pressefreiheit oder Informationsfreiheit?

Ich halte die Diskussion um die Pressefreiheit hier in Deutschland für ein Strohfeuer. Es ist nichts weiter als ein gezieltes Ablenkungsmanöver, denn es gibt in Deutschland keine Pressefreiheit, hat es auch noch nie gegeben, aber es gibt eine unbedingte Informationsfreiheit und über die sollten wir uns freuen. Jeder hat die Möglichkeit sich Informationen zu beschaffen und diese zu verbreiten. Die Presse aber ist realiter nicht frei. Auch wenn dies im Grundgesetz festgeschrieben ist. Das Problem liegt einmal mehr in der Wortwahl. Das Wort „Pressefreiheit“ ist eine beliebte Vokabel, die „Demokratie“ konnotiert. Alles, was sich den Nimbus der Demokratie aufsetzt, verwendet gerne den Begriff „Pressefreiheit“.
Sehen wir uns einmal an, wie es in der Praxis mit der Pressefreiheit aussieht: Die Presse hat die Freiheit, Kritik zu üben, Kritik an Politikern, Kritik an einzelnen Gruppen von Eliten, aber diese Kritik hält sich immer in einem selbstgesteckten Limit. Sie rangiert stets innerhalb des realpolitischen Diskurses. Es werden die einzelnen Lösungen, die die verschiedenen politischen Gruppen vorschlagen, kritisiert, es wird kritisiert, dass die falschen Wege zum Ziel eingeschlagen werden, aber es werden nie die Ziele an sich in Frage gestellt. Der amerikanische Philosoph Noam Chomsky stellt fest, und das lässt sich in Deutschland ebenso beobachten, dass die Medien die Regierungspolitik ausschließlich innerhalb des Rahmens der gemeinsamen Machtinteressen von Staat und wirtschaft hinterfragen. „[...] wenn die Politik versagt oder den Machtinteressen zu schaden scheint, werden die Medien die Regierung „anfechten“ und andere Mittel zur Verwirklichung von Zielen vorschlagen, die ihrerseits allerdings unhinterfragt bleiben, sofern sie überhaupt bewusst reflektiert werden.“(vgl. Chomsky 2003: 123)*. Ich halte den Begriff der Pressefreiheit sogar für gefährlich, denn er schafft die Illusion, dass die Presse ernsthafte Kritik übe und die Menschen etwas als Gegenentwurf zur Politik sehen, was sich eigentlich nur in Nuancen von der Realpolitik unterscheidet und niemals wirklich die Machtinteressen von Staat und Wirtschaft angreift. Es werden also Meinungen kanonisiert und bestimmte Meinungen werden von vornherein aus dem Kanon ausgeschlossen. Diese werden gar nicht erst in den Medien thematisiert.
Das hat einfache Gründe: Die Zeitungen finanzieren sich zum großen Teil durch Anzeigen. Diese wiederum werden von Unternehmen geschaltet und keine Zeitung wird ernsthaft ihre Mäzene und Sponsoren kritisieren. Jüngstes Beispiel in Deutschland bietet die „Badische Neueste Zeitung“ (BNN). Nachdem eine Redakteurin kritisch über den Lidl-Konzern berichtete, wurde ihr fristlos gekündigt. Lidl ist ein bedeutender Anzeigenschalter in dem Blatt. Inzwischen wurde sie zwar wieder eingestellt, weil man einsah, dass die Reaktion überzogen war, aber dennoch zeigt sich, dass in Deutschland die Konzerne einen großen Einfluss auf die Medien haben und letztere alles andere als „frei“ sind. Das Buch „Die Strippenzieher“ von Cerstin Gammelin und Götz Hamann ist in diesem Zusammenhang durchaus lesenswert. Die Autoren entlarven die Verquickung von Politik, Lobbys und Medien.
Es gilt noch immer, was bereits Kurt Tucholsky sagte: Derjenige, der auf den Schmutz aufmerksam macht, ist offenbar gefährlicher als derjenige, der den Schmutz macht. Zudem kommt es zu verwirrendem Sprachgebrauch in den Medien (s. meinen Beitrag zum Thema Amerika und die Demokratie). Bestimmte Dinge werden durch die Verwendung emotional vorbelasteter Begriffe in ein neues Licht gerückt. Damit werden Meinungen beeinflusst. Es lässt sich nicht immer sagen, ob wir es mit Kalkül oder einfach nur Dummheit zu tun haben, denn die Dummheit ist in den Medien weit verbreitet und viele Journalisten schämen sich ihrer keineswegs.
Ein gutes Beispiel für die Schaffung eines „Meinungsmarktes“, für die Kanonisierung von Meinungen, für Ablenkungs- und Scheindebatten bieten die Sendungen von Maybritt Illner (deren Fragen grundsätzlich am Problem vorbeigehen, die eines jeden kritisch-analytischen Journalismus entbehrt und die einen großen Übungsbedarf im Fragenstellen hat) und ohne Zweifel Sabine Christiansen. Man muss sich also stets vor Augen halten: Pressefreiheit ist eine große Illusion, Demokraten schmücken sich gerne mit dieser Vokabel, aber das, worauf das Wort verweist, hat mit wirklicher Freiheit nicht viel zu tun. Angebrachter wäre es, von einem gewissen „Spielraum“ innerhalb eines wirtschaftlichen und politischen Machtgefüges zu sprechen. Die Grenze dieses Spielraums liegt dort, wo die Machtinteressen herrschender Eliten ernsthaft hinterfragt und gefährdet werden.

*CHOMSKY, NOAM: Media Control. Hamburg 2003.

 

Post a Comment

<< Home