Thursday, October 20, 2005

Joseph Weizenbaum in Darmstadt

Zufällig hat mir mein Bruder einen Link zukommen lassen, den ich sehr interessant finde.
Joseph Weizenbaum spricht mir nämlich genau aus der Seele. Er bringt auf den Punkt, was ich hier in meinem Blog auch schon die ganze Zeit schreibe.
Joseph Weizenbaum sagte bei einem Vortrag an der TU Darmstadt laut heise.de:

"Mehrmals bezog sich Weizenbaum auf seinen 1972 in Science erschienenen Artikel On
the Impact of the Computer on Society. Man habe damals befürchtet, dass Roboter in
die Fabriken einziehen und die Menschen arbeitslos machen. Auf die heutige Zeit
übertragen beklagte Weizenbaum, dass immer mehr Menschen durch Automaten ersetzt
würden -- sei es beim Fahrkartenverkauf oder in der Bankfiliale. Für die Aktionäre
sei dies gut, nicht aber für die Menschen, denen nun diese Arbeit fehle, und für den
Staat, dem ein Steuerzahler ausfalle. Im Rückblick auf 1972 beklagte Weizenbaum, dass
man damals nicht daran gedacht hätte, auf Automaten Steuern zu erheben.

Der Einsatz von Computern habe Konsequenzen, die oft nicht durchdacht würden. Dabei
geschehen Dinge, die niemand geplant oder gewollte habe. Als Beispiel nannte er die
Zusammenschaltung der Börsenplätze, die seiner Ansicht nach dazu geführt habe, dass die
Börse zum Kasino verkommen sei. Niemand habe geplant, die Anzahl der Börsenplätze zu
vermindern. Dies sei einfach als Konsequenz des Computereinsatzes geschehen. Er
argumentiere auch nicht damit, dass jemand Schuld daran sei. Der Mensch könne eben
vielem widerstehen, nicht jedoch der Versuchung.

Im übrigen beklagte Weizenbaum die Dummheit der Menschen. Alles, was sie wüssten,
wüssten sie aus dem Fernsehen. Da sei es kein Wunder, dass sie sich belügen ließen,
ohne die Aussagen ihrer Regierung zu hinterfragen. Das träfe sowohl auf die Amerikaner
zu, die man bei der Begründung des Irak-Krieges belogen habe, wie auch auf die Deutschen,
die sich hätten erzählen lassen, die Wiedervereinigung wäre kostenlos. Allein der Zugang
zu Informationen sei eben nicht ausreichend. Es käme auch darauf an, sie zu hinterfragen.

Auf die Frage, was denn zu tun sei, hob er auf die Bildung der Menschen ab. Es sei wichtig, die eigene Sprache möglichst gut zu lernen und zu benutzen. Das beginne in der Familie, in der man möglichst viel und intensiv miteinander sprechen müsse. Nicht ohne Stolz erzählte er, dass eine Tochter einst vorgeschlagen habe, den Geschirrspüler nicht mehr zu nutzen und statt dessen
gemeinsam abzuspülen. Die Gesellschaft entwickle eine radikale Einsamkeit: "Man spricht
nicht mehr miteinander." Die unmittelbare Kommunikation zwischen Menschen sei notwendig
und durch nichts zu ersetzen. Und dazu gehöre eine möglichst gute Beherrschung der Sprache.
Sie müsse oberstes Ziel der Ausbildung von Kindern sein."

Ich finde dieser Mann sagt genau das was gesagt werden muss!!
Wer dies nochmal genauer nachlesen möchte, kann dies hier tun:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/65076

1 Comments:

At 6:14 AM, Anonymous vox enigma said...

Dummerweise hat Weizenbaum seine klugen Worte an deutsche Studenten gerichtet und nicht an den US-amerikanischen Durchschnittsmenschen. Und das ist eigentlich auch schon der Kern des Problems: Die, die es am Nötigsten hätten, werden von der Botschaft nicht erreicht.

Aber mit Blogs ist das ja genauso … ;-)

 

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